Definition der Fußfunktion

„Unsere Vorfahren waren nicht dumm und wir sollten uns darüber freuen, dass wir ein oder zwei Bausteine zu einem bestehenden Bauwerk ergänzen dürfen, und uns nicht einbilden, dass das alles unser Werk ist.“ (Wilkie, 1986).

Funktion
/fʊŋkˈʦi̯oːn/
Substantiv
eine Aktivität, die für den Zweck einer Person oder Sache natürlich ist
(Oxford English Dictionary)

Schon lange versuchen die Menschen, die Funktion des menschlichen Fußes zu definieren. Dieser Beitrag liefert eine kurze Übersicht über diese Versuche und ihre Stärken und Schwächen, die zu einer neuen Definition der Funktion des menschlichen Fußes führen.

Der Fuß als Halbkuppel
Ellis (1889), später unterstützt von Wood Jones (1944) und McKenzie (1955), beschrieb einen längsläufigen Bogen, bei dem der gewichttragende Bereich eine Halbkuppel zwischen der Ferse, der mittleren Begrenzung des Mittelfußes und dem Mittelfußknochen bildet. Die meisten Untersuchungen von asymptomatischen funktionalen Füßen unterstützen in gewisser Weise das Halbkuppel-Konzept beim Tragen des Gewichts.

Der Fuß als fünf einzelne „Bogen“
Morton (1935) glaubte, dass der Fuß aus fünf längsläufigen „Bogen“ bestand, die vom Fersenbein und den fünf Mittelfußknochen geformt werden. Diese fünf Bogen formen einen längsläufigen Bogen, der sich niemals völlig abflacht, um Teil des gewichttragenden Bereichs zu werden. Die Beobachtungen von Morton treffen auf die meisten westlichen Erwachsenen, die für gewöhnlich Schuhe tragen, zu, aber laut der nächsten Definition charakterisieren diese Merkmale einen starren und dysfunktionalen Fuß.

Der flexible flache Fuß
Bankart (1935) glaubte, dass ein natürlicher Fuß über einen flexiblen und nachgiebigen Bogen verfügt, der nur als Bogen in Erscheinung tritt, wenn er nicht belastet wird, sich jedoch vollständig abflacht, wenn er Gewicht trägt und somit einen großen Kontaktbereich mit dem Boden bietet. Er glaubte, ein Bogen, der sich nicht abflacht, sei dysfunktional und die Folge einer Verletzung aufgrund der Dehnung durch seinen Widerstand gegen das Abflachen. Solche Fußabdrücke sind selten und werden nur in einigen Bevölkerungsgruppen beobachtet, die für gewöhnlich barfuß laufen.

Der Fuß als Dreibein
Im Gegensatz zu den vorherigen Definitionen glaubten Dickson und Diveley (1953), dass der Fuß drei Bogen umfasst: 1. Ein mittlerer längsläufiger Bogen von der Ferse bis zum ersten Mittelfußknochenköpfchen; 2. Ein lateraler längsläufiger Bogen von der Ferse bis zum fünften Mittelfußknochenköpfchen; 3. Ein querlaufender Bogen vom fünften bis zum ersten Mittelfußknochenköpfchen. Diese Bogen formen ein „Dreibein“, über das das Gewicht aufgenommen wird, ohne eine deutliche Abflachung des Fußes. Überraschenderweise ist dieses Modell immer noch beliebt, obwohl das „Hotspot“-Druckmuster mit zahlreichen Pathologien in Verbindung gebracht wird.

Definition des „funktionalen“ Fußes
Ein typisches Merkmal aller vier Definitionen ist der alleinige Fokus auf die Bogenfunktion. Die Zehenfunktion wird außen vorgelassen. Nur Lambrinudi (1938) erkannte die wichtige Rolle der Zehen, die die Bogenfunktion, die erstmals von Ellis und dann Wood Jones beschrieben wurde, stabilisierte. Nur die Zehen, in Kombination mit dem Halbkuppel-Bogen, können dem gesamtem Fuß Stabilität verleihen.

Unter Berücksichtigung der Ansätze unserer Vorfahren und dem einzigartigen Beitrag von Lambrinudi (1938) haben wir eine Definition eines funktionalen Fußes synthetisiert, die im Folgenden zusammengefasst ist:

Der funktionale Fuß verfügt über eine halbkuppelförmige gewichttragende Oberfläche, die von den Stabilisierungsmaßnahmen der Zehen unterstützt wird.

Literaturhinweise

Bankart, A.S.B. (1935). The treatment of minor maladies of the foot. The Lancet, Feb 2, 249.

Dickson, F.D and Diveley, R.L. (1953). Functional Disorders of the Foot 3rd Ed. Philidephia: Lippincott.

Ellis, T.S. (1889). The Human Foot: Its form and structure. London: J.A. Churchill.

Lambrinudi, C. (1938). The feet of the industrial worker. The Lancet, Dec 24, 1450.

McKenzie, J. (1955). The foot as a half dome. British Medical Journal, April 30, 1068.

Morton, D.J. (1935). The Human Foot: Its evolution, physiology and functional disorders. London: Oxford University Press.

Wilkie, D. R. (1986). Muscle function:  a historical view. In Jones, N. L., McCartney, N. & McComas, A. J. (Eds.) Human muscle power. Champaign: Human Kinetics.

Wood Jones, F. (1944). Structure and Function as seen in the Foot. London: Bailliere, Tindall & Cox.

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