Orthopädische Schuheinlagen bei Schmerzen der unteren Extremitäten und Füße – Symptomlinderung, keine Langzeitheilung.

„Für jedes komplexe Problem gibt es eine klare, einfache und falsche Antwort.“ – H.L. Mencken.

Orthopädische Schuheinlagen werden seit langem für die Behandlung von Schmerzen und Überlastungsverletzungen in den Füßen und den unteren Gliedmaßen befürwortet (Schuster, 1972). Es gibt viele anekdotische Berichte über „erfolgreiche“ Behandlungen, aber die Definitionen von Erfolg und das Versäumnis, Gehveränderungen von Verletzungsprävention oder Schmerzlinderung, sowie kurzfristige von langfristigen Effekten zu unterscheiden, führt zu gemischten Schlussfolgerungen über die Vorteile.

 

In den letzten Jahren wurde der vorgeschlagene Mechanismus zur Unterstützung der therapeutischen Wirkung von Schuheinlagen, wie das Pronationskontrollmodell, in Frage gestellt (McPoil & Hunt, 1995; Nigg et al., 1999). Gleichzeitig bedeutet die Hinwendung zur evidenzbasierten Praxis im Gesundheitswesen, dass klinische Entscheidungen auf qualitativ hochwertigen Forschungsergebnissen basieren müssen (d.h. auf zusammengefassten Ergebnissen randomisierter kontrollierter Studien, sogenannten Meta-Analysen). Was sagen also solche hochwertigen Erkenntnisse über die möglichen Vorteile von Schuheinlagen aus?

 

Erkenntnisse aus den beiden jüngsten und umfassenden Meta-Analysen (Collins et al., 2007; Hume et al., 2008) legen hinsichtlich des Einsatzes von Schuheinlagen als Behandlung folgendes nahe:

–           Bestenfalls ein trivialer Effekt der Behandlung auf den vom Patienten wahrgenommenen Vorteil oder Schmerz im Vergleich zur Kontrollgruppe (bis zu 3 Monate Intervention)

–           Kein Unterschied zwischen maßgefertigten oder vorgefertigten Einlagen

–           Wenig/kein Nachweis einer langfristigen Schmerzlinderung (längste Nachverfolgung 12 Monate)

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Einsatz von orthopadischen Schuheinlagen in einem Behandlungsprogramm für Patienten mit Überbeanspruchungen aufgrund der verfügbaren hochwertigen Erkenntnisse nicht unterstützt werden kann. Möglicherweise erhalten Anwender bestenfalls eine kurzfristige Schmerzlinderung. Vielleicht ist es an der Zeit, die Ursache des Problems und nicht die Symptome zu behandeln.

Literatur:

Schuster RO: Podiatry and the foot of the athlete. J Am Podiatry Assoc. 62:465-468, 1972.

Collins N, Bisset L, McPoil T and Vicenzino B: Foot orthoses in lower limb overuse conditions: a systematics review and meta-analysis. Foot & Ank Int. 28:396-412, 2007.

Hume P, Hopkins W, Rome K, Maulder P, Coyle G and Nigg BM: Effectiveness of foot orthoses for treatment and prevention of lower limb injuries. Sports Med. 38:759-779.

McPoil TG and Hunt GC: Evaluation and management of foot and ankle disorders: present problems and future directions. J Orthop Sports Phys Ther. 21:381-388, 1995.

Nigg BM, Nurse MA and Stefanyshyn DJ. Shoe inserts and orthotics for sport and physical activities. Med Sci Sports Exerc. 31:S421-428, 1999.

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